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Rik Rensen - 08 / Nov / 2021

Das Piemont ist ein gut gehütetes Geheimnis".

Rik Rensen, Autor, Kolumnist und vor allem Piemont-Fanatiker, schreibt über seine ersten Erfahrungen in Italien und seine Leidenschaft für das Piemont.

Das Piemont ist ein gut gehütetes Geheimnis".
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Der Autor Rik Rensen hat Anfang dieses Monats sein drittes Buch über das Piemont veröffentlicht: 'Piemont, Reisen durch eine zauberhafte Landschaft'. In diesem Beitrag spricht er über seine ersten Erfahrungen in Italien. Zunächst als Fünfjähriger an der Hand seiner Eltern, 13 Jahre später als Zugpassagier auf der italienischen Halbinsel, dann als 28-jähriger Korrespondent des NRC Handelsblad in Rom und seit 2006 von seinem Haus in Roccaverano aus, wo er von seinen Begegnungen mit Winzern, Markthändlern und Köchen in der piemontesischen Landschaft berichtet.

M meine ersten Erfahrungen mit italienischen Weinen liegen 47 Jahre zurück. Es ist der Sommer 1974: mein erster Sommer, in dem ich mit einer Interrail-Karte in der Tasche und einem Rucksack auf den Schultern durch Europa reiste. Zunächst von heiß zu kalt in ganz Europa und später vor allem in den sonnigen Süden jenseits der Alpen. Dort gibt es Sonne, Strände und schöne Mädchen im Überfluss. Wir schliefen im Zug, feierten am Strand und tranken Wein aus Chianti-Korbflaschen. Viele meiner Zeitgenossen werden sich an den Bahnsteig am Grenzübergang zwischen Südfrankreich und Italien bei Ventimiglia erinnern. Aus dem Fenster eines Zuges hängend, kaufe ich meinen ersten Korb Chianti für umgerechnet 2 Gulden.

Es ist brütend heiß. Ich zeige auf die Korbflaschen auf dem Wagen, der auf dem Bahnsteig gegenüber dem Zug steht. Der sonnengebräunte Geschäftsmann macht gute Geschäfte. Schnell, schnell, bezahlen. Der Zug wird gleich abfahren. Der Verkäufer deutet auf meine Brieftasche, die an einer Schnur um meinen Hals hängt. Ich beziehe den Gegenwert von 2 Gulden in Lire. Er reißt mir die zerknitterten Scheine aus der Hand und eilt zum nächsten Fenster, wo durstige Jugendliche gestikulierend um seine Aufmerksamkeit buhlen. Der Verkäufer hat einen guten Tag. Er winkt uns höflich nach, als der Zug losfährt. Wie eine Schlange schlängelt sie sich aus dem Bahnhof Ventimiglia heraus und windet sich über die vielen Weichen. Wir sind in Italien!

Wenn ich aus dem Fenster auf die ligurische Küste und das dahinter liegende glatte Mittelmeer blicke, werde ich an meinen ersten Besuch in Italien erinnert. Wir schreiben das Jahr 1962. In einem alten VW-Käfer, mit Vater am Steuer und Mutter mit dem gesamten Proviant für eine zweitägige Reise auf dem Schoß, fahre ich mit meiner Schwester nach Varigotti an der Blumenriviera. Das Auto ist geladen. Aber das stört niemanden, denn es war ein abenteuerliches Fest der neuen Eindrücke, die so eindringlich waren, dass ich sie nie vergessen werde. Von den schneebedeckten Bergen in der Schweiz, durch die sich der Gotthardpass schlängelt, dem Luganer See, an dem wir vorbeifahren - die Autobahn war noch nicht gebaut -, und den strengen Beamten der 'dogana', die die Pässe meiner Eltern gründlich prüfen. Dann das Bergdorf Como und der gleichnamige See, dann die Po-Ebene mit leuchtend grünen Reispflanzen, so weit das Auge reicht, und schließlich die Farbexplosion von Bougainvillea und Oleander am Endziel: der Blumenriviera, mit dem azurblauen Mittelmeer im Hintergrund, das uns einladend anlächelt.

Auch die Gerüche dieses unbekannten Landes prägen sich unauslöschlich in die Erinnerung ein. Neue und besonders exotische Düfte. Der berauschende Duft der Feigenbäume, die die Straße säumen, die zu unserer gemieteten Villa mit Blick auf das Mittelmeer führt. Der unwiderstehliche Geruch von Hefe, der von den frisch gebackenen Brötchen in der braunen Papiertüte ausgeht, die ich morgens vom Lebensmittelgeschäft für die ganze Familie bekomme. Der stechende Geruch von frischer Pizza da portare, die von Imbisswagen mit kleinen Holzöfen auf der Varigotti-Promenade verkauft wird. Oder der süchtig machende Duft eines Tellers Spaghetti mit frisch zubereitetem Pesto in der Trattoria an der Ecke. Es sind Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit im Land des la dolce vita mit Speisen und Gerichten, die in meinem Heimatland noch nicht bon ton sind. Dasselbe gilt für das Glas Wein, das meine Eltern zu ihrem italienischen Mittagessen trinken. Zu Hause in den Niederlanden steht immer eine Karaffe mit Wasser auf dem Tisch. Aber jetzt, wo sie in Italien sind, halten sich meine Eltern an das Prinzip: 'vivere come un Italiano'.

Ein paar Kilometer weiter schüttelt ein erfahrener Mitreisender den Kopf und meint, ich hätte mich für umgerechnet 50 Cent absetzen lassen. Was macht das schon, denke ich zufrieden. Ich genieße die Aussicht. Ich bin in Italien, ich fühle mich überglücklich, der Wein schmeckt berauschend gut und ich beschließe, nie wieder wegzugehen. Mein italienisches Abenteuer kann beginnen. Ich weiß noch nicht, ob ich oft dorthin zurückkehren werde. Sehr oft.

Über 10 Jahre später wurde ich gebeten, Korrespondent für das NRC Handelsblad und die World Broadcasting Corporation in Italien zu werden. Auch die Radiosendung "Mit Blick auf morgen" berichtet. Mein Arbeitsort ist Rom, wo ich für fast 5 Jahre leben werde. Das heißt, mein Haus steht in Rom, aber in der Zwischenzeit reise ich durch das ganze Land, um die Halbinsel so gut wie möglich für die Heimatfront zu illustrieren. Ich reise von Rom ins sizilianische Palermo und von Neapel in die Stadt der Dogen, Venedig. Ich schreibe über Politik, die Lage der Wirtschaft, Kunst, Kultur und natürlich Wein.

Für den NRC schreibe ich meinen ersten umfassenden Bericht über das berühmte toskanische Weingut Isole e Olena, das der ursprünglich aus dem Piemont stammenden Familie de Marchi gehört. 
Mein Vater, zu Hause in den Niederlanden, las den Artikel über den berühmten toskanischen Winzer und lachte laut auf. Er weiß einen guten Wein zu schätzen wie kein anderer und hält meine Weinkenntnisse für nicht viel höher als meine Geschichte über den ersten Korb Chianti aus Ventimiglia. Er hat Recht. Deshalb bin ich wie ein Schwamm, wenn Geschäftsführer Paolo Massi von Isole e Olena über das Terroir, den Einfluss des Wetters, die Bedeutung des "Zurückschneidens" und die Qualität und Größe der Holzfässer, in denen die Weine reifen, spricht. Ich folge ihm auf Schritt und Tritt, ebenso wie einige australische Winzer, die das Handwerk in Italien erlernen wollen.

Geschäftsführer Massi erklärt, dass es in Italien über 1.000 einheimische Rebsorten gibt. Ich bin perplex. Über tausend verschiedene Arten! Es ist unmöglich, sich alle zu merken, geschweige denn die verschiedenen Geschmacksrichtungen zu erkennen und blind zu reproduzieren. Die Geschichte über Isole e Olena wird gut gelesen und ich bekomme sogar Lob dafür. Dieser ersten Geschichte folgten weitere Artikel und Radiobeiträge über die Kunst der Weinherstellung in den vielen Regionen Italiens. Es sind Geschichten über den Kampf gegen Schädlinge, den Einfluss des Wetters, Missernten und brillante Weine, die das Ergebnis von Kreativität, Mut und ein wenig Glück sind.

Weitere 25 Jahre später kaufe ich ein altes Landhaus in Roccaverano im Piemont, von wo aus ich die Weinregion zwischen Acqui Terme und Cuneo im Westen erkunde. Ich liebe diese Region mit ihren Ebenen, sanften Hügeln, dem Blick auf die weißen Alpengipfel und dem Nebel, der manchmal tagelang zwischen den Reben verweilen kann. Dazwischen liegen mittelalterliche Dörfer und ausgedehnte Weinberge. Das Piemont ist ein gut gehütetes Geheimnis, flüstere ich mir zu.

Was mir sofort auffällt, ist der Stolz und die Leidenschaft der kleinen und großen Winzer in der piemontesischen Landschaft. Und die Herzlichkeit: Ich kenne keine Region in Italien, in der die Winzer so offen und gastfreundlich sind wie im Piemont. Das muss man sich nur in den französischen Regionen Bordeaux oder Burgund vorstellen, wo die Türen der besseren Winzer verschlossen bleiben, wenn man ihnen einen spontanen Besuch abstattet.

In den piemontesischen Langhe und Monferrato lerne ich Trauben wie den Cortese kennen, Barbera, Nebbiolo, der Arneis, Brachetto, Cortina, Dolcetto, Favorita und der Timorasso. Selbst die Chardonnay-Traube, die im französischen Burgund so besondere Weine hervorbringt, wird im Piemont erfolgreich angebaut. Eine junge Generation von Winzern arbeitet hier mit Leidenschaft an der Erzeugung hervorragender Weine. Reibung bringt Glanz: Das gilt sicherlich für die berühmte Region Barolo, wo junge Winzer mit ihren konservativen Vätern und Großvätern gegen die seit Jahrzehnten vorgeschriebenen klassischen Weinbereitungsmethoden kämpfen. Früher brauchte ein Barolo mindestens zehn Jahre, bis er fertig war, und selbst dann konnten die Tannine noch zwischen den Zähnen knirschen. Ein Barolo dieser jungen Winzergeneration kann bereits nach fünf Jahren getrunken werden.

In den zehn Jahren, in denen ich im Piemont unterwegs bin, habe ich viele Winzer kennen gelernt und mich mit einigen sogar angefreundet. Aus dieser langen Liste habe ich meine WINE HOTSPOTS zusammengestellt, die in meinem Buch 'Piemont, Reisen durch eine bezaubernde Landschaft' enthalten sind.  Ich würde nicht behaupten, dass hier unbedingt die allerbesten Weine hergestellt werden. Wenn ich eine Top Ten der guten und teuren Weine zusammenstellen müsste, würde ich mir einfach einen offiziellen Reiseführer kaufen, in dem beschrieben wird, wo die besten und renommiertesten Winzer zu finden sind. Das ist keine Kunst, und es macht auch keinen Spaß. Das ist zu einfach, so etwas tun wir nicht! Viel spannender ist es, den einen Bauern zu finden, der mit bescheidenen Mitteln einen Spitzenwein produziert. Der eine kleine Hersteller, bei dem das Preis-Qualitäts-Verhältnis optimal ist. Ein Weingut, in dem Handwerkskunst, Leidenschaft und Gastfreundschaft Hand in Hand gehen.

Piemont, eine Reise durch eine bezaubernde Landschaft". Autor: Rik Rensen Herausgeber: Edicola. Zu kaufen in den besseren Buchhandlungen oder über Bol.com.

Über unsere Social Media Accounts verlosen wir 2 Exemplare von Riks wunderbarem Buch über Piemonte. Schicken Sie uns eine Nachricht via Facebook/Email/Instagram, warum dieses Buch in Ihrem Bücherregal nicht fehlen darf!

 

 

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